Skip to main content Anja Zückmantel | Leo Baeck Institute London

Anja Zückmantel

University of Göttingen 

Landnahme und Landphantasie. Territoriale Imagination des politischen Zionismus vor 1948

In der «Bindung an den Boden Palästinas» (Michael Brenner) bzw. an das Land (Eretz) Israel und im Ziel seiner «Erlösung» fanden die verschiedenen Strömungen des Zionismus zusammen. Mit diesem Konzept wurde auch die jüdische Diaspora in das zionistische Projekt integriert und zu dessen Unterstützung mobilisiert. Als jüdische nationale Bewegung musste der Zionismus die traditionellen Vorstellungen von «Eretz Israel» als Objekt der Sehnsucht, das erst in messianischer Zeit erreicht werden könne, entmystifizieren. Die «Erlösung» des Landes und die Rückkehr der Diaspora konnten nicht länger als Gegenstand individueller Glaubenspraxis gelten, sondern mussten als essentieller Bestandteil eines nationalen Bewusstseins konstituiert werden.  
  
Das Promotionsprojekt fragt nach dem historischen Hintergrund und dem Wandel dieser territorialen Dimension im Kontext der jüdischen Nationalbewegung: Der Fokus liegt hier auf einem Transformationsprozess, in dem abstrakte Konzepte eines «gelobten Landes» durch gewandelte territoriale Semantiken und Symbole zunehmend im Prozess territorialer Aneignung und Abgrenzung von einer idealen nationalen «imagined geography» überlagert werden: Wie wird der geographische Raum Eretz Israel/Palästina durch diskursive Einschreibung religiöser und nationaler Symbole der Erlösung zu einer symbolischen Landschaft der politischen Praxis nationaler Erneuerung? Wie eignet sich der - in seinen Hauptströmungen - säkulare Zionismus die ansich religiösen Grundlagen der jüdischen Verbindung mit «Eretz Israel» an?  
  
Die Arbeit thematisiert für verschiedene Handlungsfelder ein Spannungsverhältnis zwischen Mobilisierungs- und Handlungskonzepten, die einerseits zionistische Funktionäre und Pioniere als Akteure und andererseits eine differenzierte Diaspora als Beobachter und Teilnehmer im Prozess der nationalen Selbstdefinition ausmachen. Untersucht wird daher gleichzeitig die Repräsentation des Topos «Eretz Israel» und die kulturell bedingte Resonanz und Prägung dieser Repräsentation in der und durch die jüdische Diaspora mittels eines spezifischen ikonographischen und semantischen Bedeutungshaushaltes.  


 
1996–2003 Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie in Göttingen und Berkeley (University of California Education Abroad Program, 1998–99), 2003 Magistra Artium. Titel der Magisterarbeit: «Britenfaust und Judengeist». Die Palästinafrage in der nationalsozialistischen (Bild-)Propaganda. 2004 Wissenschaftliche Hilfskraft am Seminar für Politikwissenschaft der Universität Göttingen, 2004–05 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sozialwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen (Koordinatorin des Masterstudienganges Euroculture), 2005–08 Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.

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