Freie Universität Berlin
Berliner Konfektion und Mode – Jüdische Unternehmerfamilien in einer Modemetropole des 19. und frühen 20. Jahrhunderts
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Berlin ein neuer Zweig der Textilwirtschaft: die Konfektion. Im Gegensatz zur bis dahin üblichen Maßschneiderei stellte die Konfektion einen Zugang zur Mode für ein breites Publikum dar. Ermöglicht wurde dies durch Modernisierungen im technologischen, organisatorischen und modischen Bereich. Eng verknüpft waren damit die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen dieser Zeit. In der Berliner Konfektion waren überdurchschnittlich viele jüdische Unternehmer und Angestellte tätig. Viele von ihnen waren aus Osteuropa immigriert. Einige der Unternehmer hinterließen Selbstzeugnisse in Form von Autobiographien, Tagebüchern und Briefen, die bisher kaum wissenschaftliche Beachtung fanden. Im Dissertationsprojekt sollen diese Quellen in doppelter Hinsicht interpretiert werden: Zum einen werden die Selbstzeugnisse als Quellen für die Berliner Konfektion ausgewertet, zum anderen wird der Zugriff über Mode genutzt, um die Frage nach der Bedeutung von Kleidung für das Konzept der unternehmerischen persona zu beantworten. Dabei soll untersucht werden, welche Rolle die jüdische Religion für die Konfektionsunternehmer, den gesamten Wirtschaftszweig Konfektion und seine Wahrnehmung durch eine überwiegend nichtjüdische Umwelt spielte.