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Marc Ryszkowski

Otto-Friedrich-University Bamberg

Zwischen Identifikation und Identifizierung. Orientalisierende Synagogen des 19. Jahrhunderts im Königreich Bayern und dem Großherzogtum Baden 

Die Frage nach jüdischer Identität in Deutschland – und in Europa – ist einer der zentralen Aspekte der jüdischen Lebenswelten im langen 19. Jahrhundert. Im Kontext der Emanzipation markiert sie eine wichtige Konfliktlinie und wird von jüdischer und nicht-jüdischer Seite gleichermaßen intensiv diskutiert. Im Zusammenhang mit diesem Aushandlungsprozess ist die Architektur ein Medium zur demonstrativen Beantwortung dieser Frage und eine populäre Antwortvariante der Rückgriff auf den zeitgenössisch als „maurisch“ oder „neomaurisch“ bezeichneten Gestaltungsstil für die Synagoge.

Die Verwendung orientalisierender Stilelemente als Bestandteile jüdischer Sakralbauten liegt im Laufe des 19. Jahrhunderts in einem Spannungsfeld zwischen äußerer Identifizierung und eigener Identifikation, formaler architektonischer Übernahme und ideeller Aneignung bzw. Adaption. Identifizierung und Identifikation sind die Pole christlich-jüdischer Koexistenz und gesellschaftlicher Transformation. 

Ein zentraler Aspekt ist die Frage nach den beteiligten Akteuren. Welchen Einfluss konnten zu welcher Zeit jeweils die religiösen Gemeinden nehmen, und wie stark war die Position der Architekten, der Baumeister und der Verwaltungsbehörden? Ist der „maurische“ Stil als Synagogenstil zunächst das Nebenprodukt von Modernisierung, Homogenisierung und Nationenbildung spiegeln die letzten orientalisierenden Synagogen zum Jahrhundertende hin die veränderten Möglichkeiten der jüdischen Gemeinden und eine polyvalente Rezeption der jüngeren (architektonischen) Entwicklung und des Großkontexts „Orientalismus“ wider. 

Die überlieferten Bauverwaltungsunterlagen geben dabei einen detaillierten Einblick in Planungsprozesse, Machtverhältnisse und die Bedeutung der Baugestaltung, die häufig in einem gegensätzlichen Verhältnis zu den etablierten kunst- und architekturhistorischen Darstellungen stehen. 

 

  • 2010 bis 2016: Studium der Fächer Bildwissenschaften der Künste, Philosophie und Geschichte an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, Erwerb des Abschlusses Bachelor of Arts mit einer Arbeit zur Umdeutung des Berliner Residenzschlosses als Aspekt seiner ideellen und materiellen Rekonstruktion 
  • 2016 bis 2019: Masterstudium im Fach Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Erwerb des Abschlusses Master of Arts mit einer Arbeit zu Konfliktlinien und Aushandlungsprozessen im Rahmen der Denkmal-Transformation nach Alois Riegl am Beispiel eines Kriegerdenkmals aus dem ländlichen Oberfranken 
  • Oktober 2019 bis Januar 2020: Wissenschaftliche Mitarbeit am Lehrstuhl für Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Rahmen eines Werkvertrags zur Vorbereitung eines DFG-Projektantrags („Heritage and Politics“) 
  • Januar 2020 bis Januar 2022: Wissenschaftliche Mitarbeit beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart im Rahmen des Forschungsprojektes „Die historische Bestandssituation der frühen nationalsozialistischen Konzentrationslager in den ehemaligen Ländern Baden und Württemberg“. Als ein Ergebnis des Forschungsprojektes fand Anfang Juli 2022 eine zweitägige Fachtagung in Ulm statt, die Publikation der Projektergebnisse ist für Mitte 2026 geplant 
  • Seit März 2021 promoviere ich am Lehrstuhl für Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg bei Prof. Gerhard Vinken zum Thema: Identifikation und Identifizierung im jüdischen Sakralbau – Orientalisierende Synagogen des 19. Jahrhunderts im Königreich Bayern und dem badischen Großherzogtum.

     

  • Oktober 2022 bis Oktober 2023: Stipendium im Rahmen des Leo Baeck Fellowship Programms des Leo-Baeck-Instituts  
  • Oktober 2023 bis März 2026: Promotionsstipendium der deutschen Studienstiftung 

 

Im Rahmen meiner Dissertation, deren Abschluss für Ende 2026 geplant ist, beschäftige ich mich anhand einer ausgesuchten Objektgruppe mit dem architektonischen Phänomen der orientalisierenden Synagogengestaltung und seiner gesellschaftlich-politischen Bedeutung im Spannungsfeld unterschiedlicher Akteure und Positionen. 

 

 

Publications

Ryszkowski, Marc: Das Kriegerdenkmal in Pommersfelden. Historische und Typologische Einordnung, in: Heimatbote aus dem Reichen Ebrachgrund (Jg.32), Mühlhausen 2018, S. 166-175. 

Ryszkowski, Marc: Bauforschung als Spurensuche. Ein Forschungsprojekt zu frühen nationalsozialistischen Konzentrationslagern, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtblatt der Landesdenkmalpflege (Jg. 50, 2021, Nr. 3), Stuttgart 2021, S. 171-176.

Ryszkowski, Marc: „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ – Die Geschichte der Instandsetzung der Prunkräume in Schloss Kislau durch Häftlinge des Konzentrationslagers in den Jahren 1933/34, in: Erforschen und Erhalten. Jahresbericht der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg 2020, Ostfildern 2021, S. 194-197. 

Ryszkowski, Marc: Die ersten Konzentrationslager in Baden-Württemberg – Eine Bestandsaufnahme, in: Gedenkstättenrundbrief der Stiftung Topographie des Terrors ( 9/2021, Nr. 203), Berlin 2021, S. 3-11.

Ryszkowski, Marc: Zur Architektur und Geschichte des Hofguts Ankenbuck: Arbeiterkolonie und Konzentrationslager, in: Almanach Schwarzwald-Bahr 2022 (Jg. 46), Villingen-Schwenningen 2021, S. 196-205. 

Ryszkowski, Marc: The writing on the wall – Zwei Inschriften in den historischen Arresträumen des Lagers Heuberg, in: Erforschen und Erhalten. Jahresbericht der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg 2021, Ostfildern 2022, S. 194-197. 

Ryszkowski, Marc: Deux exemples sur le développement et l`importance de l`architecture religieuse de l`architecte Ludwig Lévy – La synagogue de Winnweiler et le temple protestant de Metz Queuleu. https://www.temple-metz-queuleu.com/page/2122097-architecture, letzter Zugriff am 15.06.2026.

Ryszkowski, Marc: Fake it till you make it – Zwei Bunkeratrappen aus dem Jahr 1938 auf dem Truppenübungsplatz Heuberg, in: Erforschen und Erhalten. Jahresbericht der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg 2022, Ostfildern 2023, S. 216-220. 

Ryszkowski, Marc: Die Synagoge in Weingarten. (https://www.leo-bw.de/de/web/guest/themenmodul/juedisches-leben-im-suedwesten/schlaglichter/badische-synagogen/die-synagoge-weingarten, letzter Zugriff am 15.06.2026. 

Aktuell in Vorbereitung (Stand Juni 2026) sind sowohl die große Abschlusspublikation zum LAD Forschungsprojekt zur historischen Bestandssituation der frühen nationalsozialistischen Konzentrationslager in Baden und Württemberg als auch ein Publikationsbeitrag zur Tagung „Polyphonie des jüdischen Kulturerbes“ der Universität Freiburg (Februar 2025) mit dem Titel: Whoes heritage? Die orientalisierende Synagoge als Erbekonstruktion im Medium der Architektur. 

 

 

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